* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt








Nightfall in Mittelhessen

Weil viele immer gefragt haben, hier die ersten vier kapitel...

----
1. – Gestern, Heute

Am Abend des achtzehnten Septembers stand ein junger Mann alleine vor einer Wohnung in Andenfurth. Leute liefen vorbei, grüßten ihn freundlich doch der Mann bewegte sich nicht. Den meisten von ihnen war das egal, sie kannten ihn und das musste reichen. Nie verlies er das Haus und wenn er es doch einmal tat, dann nur um mit Auswärtigen davon zu fahren. Das waren komische Leute, die noch viel komischere Kleidungen trugen und grausame Musik hörten. Aber auch das war den meisten Egal, soll er doch machen was er will und ein anständiges Mädel würde ihn ohnehin früher oder später auf den rechten Pfad zurückbringen.
So einfach war die Welt, für alle hier, nur nicht für Bernd. Er litt unter der Einsamkeit, die ihn jeden Tag verfolgte und nur all denjenigen Glück zu bringen schien, die es sowieso schon hatten. Für Bernd blieb nicht übrig außer Essen, sich Unattraktiv zu finden und deshalb noch mehr zu Essen. Die Hoffnung, eine Freundin zu finden, hatte er schon lange zu Grabe getragen. Spätestens seit Ende seiner Schulzeit war der Traum ausgeträumt, seine große Liebe ein billiger Computerausdruck irgendwelcher PinUp Girls aus dem Internet. Das real existierende weibliche Geschlecht gab sich lieber mit den tollen Fitnessstudio Kerlen ab anstelle mit Leuten wie ihm, ganz egal wie bekloppt sie waren. Bernd hatte es ganz einfach satt, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. „Auf jedes Töpfchen passt ein Deckelchen“, die Worte seiner Eltern hatte er zwar noch in den Ohren doch die Töpfchen mussten wohl im krassen Missverhältnis zu den Deckelchen stehen. Vielleicht war er auch gar kein Topf, sondern eine Bratpfanne, zu der es keinen Deckel gab.
Villeicht war es auch besser so, zumindest blieb ihm Schicksal erspart, welches seinen Kumpel Fred ereilt hatte. Früher, als Bernd Frauen noch für Wesen hielt, bei deren "Konstruktion" wohl etwas vergessen worden war, hatte er einen alten Mann getroffen. Das war auf den Schulweg gewesen, nicht weit von hier unten bei den Kaugummiautomaten, die in einer Nische an der alten Scheune montiert waren. Immer wenn er daran vorbeikam, warf Bernd einen Groschen in einen der dünnen Schlitze, dreht einen runden Knopf direkt darunter und mit was Glück fand er einige bunter Kaugummis in einem Schacht am unteren Ende. Eines Tages stand er da, hielt eine Stapel Zeitschriften vor sich, auf denen das Ende der Welt mit den Worten "Sie ist geboren" verkündet wurde. Bernd lief daran vorbei denn sein Vater hatte ihn gewarnt, Fremden aus dem Weg zu gehen. Aber hatte er ihn nicht auch vor den Kaugummis aus dem Automaten gewarnt? Von Autoabgasen hatte er geredet, die jeden Tag darauf niedergingen und Krankheiten aulösten, von denen man heute noch garnichts wußte. Warum das eine ignorieren und das andere nicht ? Und so begann er dem alten zuzuhören, beobachtete, wie sein langer weisser Bart hin und her wippte während er veruschte, den Weltuntergang möglichst Farbenprächtig darzustellen. Vieles von dem, was der Bärtige ihm erzählte, verstand Bernd damals noch nicht. "Auf dich habe ich gewartet, kleiner Mann. Ich wußte das du kommst, ich habe es gesehen so wie ich das Ende gesehen habe. Die Periode des Friedens endet, das letzte Gefecht ist nahe. Das letzte, endgültige, der Krieg um die Neun. Nimm das hier, und erinnere dich wenn die Zeit gekommen ist". Aus seiner Tasche hatte der Mann eine kleine, matte Kugel gezogen und Bernd in die Hand gedrückt. Seit dem war es sein Schatz gewesen, den er hütete wie seinen Augapfel, auch wenn die matte Kugel sicherlich keinerlei Wert besaß. Das war am vierzehnten Mai 1978 gewesen.
Später hatte er mit seinem Vater drüber geredet. Der pleute ihm nochmals ein, in Zukunft von solchen Aposteln die Finger zu lassen und ausserdem würde er dafür sorgen, dass dieser Kerl nie wieder seinen Sohn belästigt. Doch so sehr er sich auch bemühte, den Fremden ausfindig zu machen, weder Polizei noch Nachbarn konnten sich daran erinnern, jemals einen solchen Mann gesehen zu haben. Niemand hatte ihn wahrgenommen, nicht einmal die jenigen, die die Stelle an diesem Tag passiert hatten. Niemand, nur Bernd, und eine kleine Kugel erinnerte ihn jeden Tag daran, das es kein Traum gewesen war.
Und heute war Fred verliebt, genauso verliebt wir unglücklich war. Viel hatte er von seiner großen Liebe Nicole erzählt, doch Bernd konnte nicht verstehen, warum sein Freund blind für die Tatsache war, dass seine Chancen irgendwo bei Null umher dümpelten. Fred war ein anderer geworden, seit Nicole seinen Weg gekreuzt hatten doch noch jemand hatte seine Gelgenheit genutzt, dass eigene Image in den Dreck zu ziehen. Sein Cousin Torsten lästerte den ganzen Tag über Fred und seine neue Flamme, egal ob man es hören wollte oder nicht. Keinen Gelegenheit ließ er aus, klar zustellen, das er seine Freundin Verena stets im Griff hatte. Im Gegensatz zu Bernd oder Fred, die sowieso nie eine abbekomme würden, schlugen bei Torsten die Herzen der Frauen höher. Und in der Tat, immer wenn man ihn sah hatte er eine neue Eroberung an seiner Seite. Seltsamerweise verschwanden diese aber nach kurzer Zeit spurlos und selbstverständlich war Torsten nie schuld daran. Er war sowieso nie schuld an irgendetwas, ganz egal was es war. Das waren immer nur die anderen, die ihm keine Freundin gönnten und bloß neidisch auf ihn waren. In seiner kleinen, eigenen Welt gab es nur die Fehler anderer, niemals seine eigenen. Fred und Bernd hatten sich mit der Zeit an diese Art gewöhnt, es regte sie auf, doch anmerken ließen sie es sich nur ab und zu.
Bernd saß auf seinem Bett in seinem Zimmer, hatte die Beine weit ausgestreckt und betrachtete die kleine Kugel, die er seit seiner seltsamen Begegnung mit dem Fremden hütete wie seinen Augapfel. „Seltsam“ dachte er, als er den kleinen Gegenstand vor seinen Augen drehte und wendete, vergeblich auf der suche nach irgend einer Art von Beschädigung oder einem anderen Makel. Seit nunmehr 23 Jahren besaß er die kleine Kugel, doch weder Kratzer noch Korrosion waren darauf zu erkennen. Matt und silbrig glänzte die Oberfläche, genauso wie vor 23 Jahren und Bernd war überzeugt, dass sie weitere 23 Jahre später genauso aussehen würde.
„Schrott“ dachte Bernd, warf die Kugel achtlos neben die kleine Kommode und wandte sich wieder dem nichts tun zu. Die Sonne warf ihr Licht durch ein kleines Fenster direkt über ihm und erwärmte seinen Körper auf eine wonnig seichte Art und weise. Bernd lies sich zurück auf das Bett fallen, schloss die Augen und dachte über all die Dinge nach, die in den vergangen Wochen geschehen waren. Irgendetwas würde geschehen. Bernd wusste nicht was es war, er wusste nicht warum und genauso wenig wann. Doch etwas hatte sich verändert, dessen war er sich sicher und wieder dachte er an den Mann, der ihm vor dreiundzwanzig Jahren begegnet war. Er sah ihn vor sich, weißes langes Haar, das schlaff über seine Schultern hing und fast nahtlos in einen wüst zersausten, dunklen voll Bart überging. Sein hagerer Körper war ausgemergelt, wie nach einer langen Hungersnot und nur mit zerfetzten Lumpen umgeben. Bernd versuchte noch weitere Details zu erhaschen, doch dann verschwand das Bild wieder. Bernd schlug die Augen auf. Noch immer lag er auf seinem Bett, doch die Sonne war verschwunden und dem fahlen Licht des Mondes gewichen. Der Alte Mann war verschwunden, ein Traum, dessen war sich Bernd sicher. Er musste eingeschlafen sein, nicht ungewöhnliches und erst recht keine Grund, sich darüber Gedanken zu machen. Heute würde nichts mehr passieren und am besten würde er da weiter machen, wo er angefangen hatte. Bevor er zur Tat schritt schloss er den Vorhang, zog Hose und T-Shirt aus, die er achtlos vor sein Bett warf. Er tat dies immer so, obwohl das laut seiner Eltern eine der größten Unarten war, die er an sich hatte. Ein letzter Blick auf den kleinen Wecker neben sich zeigte ihm, dass es mittlerweile ein Uhr war. Bernd hatte eine integrierte Lampe mit einem Druck auf einen großen, auch in der Dunkelheit leicht zu findenden Gummiknopf aktiviert und konnte Datum und Uhrzeit Atomgenau ablesen. Neben dem Datum war ein kleiner stilisierter Fisch abgebildet. „Astrologie im Zeichen der Digitaltechnik“ dachte Bernd, der davon eben noch soviel wusste wie das der fünfte März, der mittlerweile Angebrochen war, wohl zu diesem Sternzeichen gehörte.
Er beschloss, diesem Gedanken nicht weiter zu verfolgen und endlich weiterzuschlafen, so wie er es seit einer halben Stunde vorgehabt hatte. Der Schlaf kam schnell und noch lange nachdem die Sonne über dem Horizont aufgetaucht war, schlummerte Bernd friedlich in seinem Bett.

2 – 23 Jahre später

Bernd schrak auf. Schweiß rann von seiner Stirn, dicke Tropfen die einen salzigen Geschmack hinterließen als sie seine Lippen trafen. Er musste geträumt haben, im Zimmer war es angenehm kühl und auch sonst gab es keine andere Erklärung dafür. Irgendetwas, Bernd hatte keine Ahnung was, musste ihn erschreckt haben. Er stand auf, schaltete den kleine Lampe neben seinem Bett ein und betrachtete kritisch die Uhr. Es war kurz nach ein Uhr Morgens, der kleine Fisch war einem gehörnten Stierkopf gewichen genauso wie das Datum auf den vierzehnten Mai fortgeschritten war. Bernd fiel der Traum ein, der ihn schon einmal heimgesucht hatte. Es war erst einige Monate her gewesen, doch war es der gleiche gewesen wie heute? Bernd wusste es nicht, er konnte sich nicht erinnern, doch das Gefühl, das etwas geschah war wieder gekommen. „Dreinundzwanzig Jahre“ dachte Bernd, kramte in der kleinen, hölzernen Kommode neben seinem Bett und fand nach einigem Suchen die kleine Kugel wieder. Er holte sie hervor, hielt sie ins Licht und erwartete Insgeheim, dass sich irgendetwas verändert hatte. Viele Filme mit seltsamen Gegenständen hatte er schon gesehen, mit Amuletten, Kugeln oder sonstigen Dingen, die plötzlich Leuchteten, flogen, Radioaktiv strahlten oder leise Stimmen in den Köpfen der Leute produzierten, die sie in der Hand hielten. Doch diese hier tat nichts dergleichen, sie war wie immer und hielt ihn nicht elektrisch zum Narren, wie seine Eltern immer zu sagen pflegten. Enttäuscht legte er sie zurück, schloss die Schublade und löschte das Licht. Bernd ließ sich wieder ins Bett fallen, begann die Decke anzustarren und hoffte darauf, irgendwann einzuschlafen. Gedanken schwirrten durch seinen Kopf, er dachte über die Monate und Jahre nach und das Gefühl, das sich die Dinge in Zukunft nicht wesentlich ändern würden liess ihn nicht los. Er fing an sich darüber zu amüsieren, mit wie viele Frauen Torsten in der Zwischenzeit angebandelt hatte und nach welch kurzer Zeit diese in der Versenkung verschwunden waren. Dann dachte er an Fred, der vergebliche Liebesmüh in Nicole investierte, ein Frau die Bernd selbst nicht unattraktiv fand. Aber wer aus seinem Bekanntenkreis fand jemand wie Nicole schon unattraktiv? Das Torsten ihr den Hof machte war eine Tatsache, die niemand ernstlich überraschte, doch das noch viele andere von ihr schwärmten gab es selbst in seinem chaotischen Bekanntenkreis nicht alle Tage. Bernd musste unweigerlich an sie Denken, und die Befürchtung, mehr Gefühle zu entwickeln als er sich eingestehen wollte, drohte wie ein Damoklesschwert über ihm. Die kleine Blonde mit den blauen Augen brachte ihn ordentlich ins Schwitzen, er konnte es nicht leugnen. Es war die typische Frau die man einfach lieb haben musste. Klein, blond mit hübschen blauen Augen und einer ordentlichen Figur konnten einem die Welt öffnen. Oder jemand den Weltuntergang bringen, zum Beispiel jemanden wie Fred. Oder Ihm? Der letzte Gedanke liess Bernd erschrecken. Er wollte an irgendetwas anderes Denken, doch das Bild von Nicole drängte sich immer wieder in den Vordergrund.
„Andere Mütter haben auch schöne Töchter“ dröhnte die Stimme seiner bekannten in seinem Schädel, einen diese Sätze mit denen sie oft genug versucht hatten, ihn zu trösten. Er dachte nach. Sich zu sehr in diese Nicole Geschichte zu verrennen wäre ganz und gar nicht klug, er wusste genau wie es Fred ergangen war und auch noch Liebeskummer konnte er im Moment nicht gebrauchen. Genau, so würde er es tun. Er würde Nicole mit Fred oder wem auch immer zusammenkommen lassen (oder zumindest irgendwie dabei zusehen) und die Sache dann auf sich beruhen lassen. Bernd drehte sich noch merhmals hin und her, versuchte Schäfchen zu zählen, die aber mit der Zeit alle blonde Haare bekamen. Trotz der seltsamen Mutation dieser Nutztiere schlief er irgendwann ein. Diesesmal jedoch ohne nennenswerte Träume. Zumindest keine, an die er sich am nächsten Morgen erinnern konnten.

„Wieso essen wir eigentlich diesen Schund?“ Fred hatte einen Hamburger in der Hand, drehte ihn mehrmals und beäugt kritisch den Belag, der schon an mehreren Stellen Richtung Tablett tropfte. Bernd, der ihm gegenüber saß, sagt nichts dazu. Jedes mal war es Fred, der unbedingt in diesen Laden wollte und jedes Mal war es der gleiche Fred, der ihn anschließend fragte, warum sie hier waren. Neben Fred saß Nicole, die nicht aß, obwohl sie von allen das Essen am besten gebrauchen konnte. Weder er noch Fred waren wirklich schlank. Das Essen schmeckte einfach zu gut und da sie beide nicht zu den Leuten gehörten, die mit einer guten Fettverbrennung gesegnet waren, ließen sich einige Kilos nun mal nicht vermeiden. Ob es allerdings klug war, ein einem Laden zu Essen, wo man außer überschüssiger Kalorien und hinterher immer noch Hunger, nichts mitnahm, stand auf einem anderen Blatt.
Fred hatte mittlerweile begonnen, den Hamburger in sich hinein zu stopfen. Er tat das mit einer hingabe, die nicht daran zweifeln ließ, das der Burger so schlecht nicht sein konnte. Nicole schaute abwechseln ihn und Fred an, sagt jedoch nichts. Bernd war sich sicher, dass sie sich ihren Teil dachte, jedoch darauf verzichtete, es laut auszusprechen. Aber was dachte Nicole überhaupt? Bernd war sich nicht sicher, ob sie Freds Kampf mit dem Burger überhaupt zu Kenntnis nahm oder nicht vielleicht doch mit ihren Gedanken weit weg von hier war. „Villeicht dachte sie an ihn“ drängte sich ein Gedanke kurz nach vorne, blieb kurz, wurde dann aber mit aller Gewalt verdrängt.
„Hast du von dem neuen Laden gehört, der heute Abend öffnet?“ Fred riss ihn aus seinen Gedanken. Er hatte mittlerweile seinen Burger besiegt und nur noch einige rote Tropfen waren auf dem Tablett übrig geblieben. Für Bernd war es immer wieder ein wunder, wie Fred es schaffte, das sich dieses widerliche Zeug nur auf dem Tablette und nicht quer über seine Kleidung verteilte. Vielleicht war er selbst auch nur zu ungeschickt, das würde es wohl sein. Er sah Fred an „Nein, bisher noch nicht. Ich hab´ mal gehört das so was in Planung ist, aber das die schon so weit sind, wusste ich nicht. Ist eine Metal Kneipe, oder?“ Fred schob das Tablett in Richtung Tischmitte „Ja, endlich gibt es mal so etwas. Die ganze Musikbranche ist doch nur noch auf Kommerz aus. Hast du mal gesehen, was so eine Schicki Micki CD mittlerweile kostet? Und da wird sich gewundert, das soviel kopiert wird. Aber wir sind ja böse schwarze Männer, die böse Rituale durchführen und Ziegen im Keller opfern“ Bernd und Nicole schauten ihn an. Fred grinste „Und wir verführen kleine blonde Frauen“ fügte er lachend hinzu.
Bernd und Fred nahmen ihre Tablette, stellten sie in einen kleinen Wagen, der für diesen Zweck aufgestellt worden war. Vor ein paar Wochen noch gab es mehrerer Mülleimer für Papier, Plastik und sonstiges. Der Besitzer des Schnellrestaurants war offensichtlich der Meinung gewesen, das man es den Besuchern durchaus zumuten konnte, ihren Müll eigenverantwortlich zu trennen. Nachdem die meisten das aber offensichtlich nicht konnten oder nicht wollten ging man dazu über, die Sortierung einem der Studenten, die hier Aushilfsweise arbeiteten, zu überlassen. Die Gäste mussten ihren Unrat nur noch in einen der kleinen Metallwagen stellen. Und selbst das war für die meisten wohl noch zuviel Arbeit, die meisten ließen die Tabletts achtlos auf den Tischen stehen. Irgendjemand würde sie schon einsammeln, wahrscheinlich wieder so ein Student.
Als sie auf dem Parkplatz angekommen waren, verabschiedete sich Nicole von den Bernd und Fred. Ihr neuer Freund war schon da und wo sie Anschließend hinwollte, hatte sie den beiden nicht gesagt. Die Sache mit diesem Kerl war Fred überhaupt nicht gut bekommen und ihm selbst gefiel der Gedanke auch nicht sonderlich. Auf der anderen Seite hatte sich Bernd schon gedacht, dass die Sache wieder so enden würde. Wenigstens hatte es keinen Streit zwischen ihm und Fred gegeben und so hatte die Sache wenigstens noch ein gutes Ende genommen. Mehr oder weniger zumindest.
Fred schaute aus der Wäsche wie fünf Wochen Regenwetter. Bernd beschloss, ihn aufzumuntern „Nu komm, so toll ist sie auch wieder nicht“ log er. Fred sah kurz auf, senkte den Kopf aber sofort wieder „Bernd, lass es. Ich weiß genau, da du auch auf sie stehst. Wenn Nicole jetzt auftaucht und dich fragen würde ob du mit ihr zusammensein willst, wette ich meinen Kopf, das du nicht nein sagst. Eher würde Torsten Bundeskanzler werden bevor du Nicole abweist“. Bernd schwieg. Die Idee Fred mit so einem abgedroschenen Spruch aufzumuntern war wirklich dumm gewesen. Sie beide sollten das Thema vergessen, keiner von ihnen würde mit ihr zusammenkommen, dass war genauso sicher wie das Torsten nicht Kanzler wird. Man musste schon Zaubern können, um so was zu erreichen.
Fred schien sich erholt zu haben „Lass uns heute Abend in diese neue Kneipe fahren, um erst mal auf andere Gedanken zu kommen. Und bitte, versuch nicht mehr, mich aufzumuntern“ sagte er, schloß die Autotür auf und setzte sich hinters Steuer. Bernd öffnete die Beifahrertür und lies sich neben ihm nieder. Er nickte „Ok, schauen wir mal. Vielleicht gibt’s ja dort noch mehr süße Mädels“ lachte er, merkte jedoch sofort, das Fred das überhaupt nicht komisch fand.

3 – Hell Awaits

„Wer Heavy Metal kennt, kennt Hell Awaits“ stand auf dem Zettel, den Fred in der Hand hielt. Er wedelte wild mit ihm während er mit der anderen Hand auf eine Kneipe zeigte, die hinter einem Supermarkt versteckt in einem kleinen Flachbau angesiedelt war. Die Fenster waren mit schwarzen Vorhängen geschmückt und ein großes Schild, auf dem der Name werbewirksam aufgemalt war, thronte über dem Eingang. Bernd zuckte mit den Schultern „Nett, gehen wir rein“ schlug er vor und begann, Richtung Eingang zu laufen. Fred folgte ihm und warf den Zettel achtlos in einen der Vorgärten. Den Besitzer des Grundstücks, ein Mann im mittleren Rentenalter, hatte er dummerweise übersehen. „Gesocks, elendes. Euch werden wir schon noch los, das könnt ihr mir glauben“ rief er während er den Zettel einsammelte und in eine blaue Mülltonne warf.
Die Kneipe verbreitet auch im inneren einen etwas Düsteren Eindruck, ganz anders als die üblichen Trend Discos, die nicht nur nach Bernd und Fred´s Meinung hauptsächlich auf Kommerz ausgelegt waren. Überall hingen schwarze Vorhänge, die Wände waren mit seltsamen Schädelkerzenhaltern und ähnlichem geschmückt. Im hinteren Bereich stand ein Tischfußballspiel direkt neben einem Glückspielautomat. Ein junger Mann mit langen dunklen Haaren und einer mit viele Aufnähern der unterschiedlichsten Metal Gruppen gespickten Jeansweste stand davor und versuchte, möglicht drei gleiche Symbole auf den drei rotierenden Scheiben anzuordnen. Das Gerät schien aber heute offensichtlich dazu keine Lust zu haben.
Während Bernd sich umsah hatte Fred bereits einen freien Tisch erspäht und ihn in beschlag genommen. Aus den Lautsprecherboxen dröhnte Musik, irgendetwas von Iron Maiden und Bernd war der Laden sofort Sympathisch. Er blickte zu langen Theke, die sich direkt neben ihm erstreckte und entdeckte neben dem Besitzer, einem etwas Kräftigeren Mann mit langen dunklen Haaren noch zwei junge Frauen, die hier offensichtlich als Bedienung arbeiteten. Sie liefen geschickt zwischen den einzelnen Tischen hin und her, notierten Bestellungen der Gäste, holten Gläser mit alkoholischem Inhalt von der Theke und kassierten hin und wieder einen Gast ab. Eine der beiden, die ein ganzes Stück kleiner war als Bernd, huschte geschickt an ihm vorbei, blickte kurz in seine Richtung, lächelte verschmitzt und wandte sich anschließend wieder ihrer Arbeit zu. „Nett“ dachte Bernd, hatte das Bild der jungen Frau mit den Kastanienbraunen Haaren und den braunen Augen noch im Kopf als Fred ihn in die Realität zurückholte „Die ist schon vergeben, brauchst gar nicht so sehnsüchtig zu kucken“ rief er in seine gewohnt netten Art quer durch das Lokal. Bernd wollte erst irgendeine bissige Antwort geben, die sicherlich etwas mit Nicole zu tun gehabt hätte. Er verkniff es sich aber dieses mal.
Nachdem er sich einen freien Stuhl neben Fred geangelt hatte begann er, einen in Folie eingeschweißten Zettel zu lesen, der mit Klebestreifen direkt vor ihm auf dem Tisch befestigt war. Er ermahnte die Besucher zur Ruhe während ihrer Heimreise da sich schon mehrere Anwohner über unnötigen Lärm anfahrender Autos beschwert hätten. Bernd erinnerte sich an den Mini Parkplatz und hielt es eigentlich für unmöglich, dort einen Kavaliersstart hinzulegen ohne gleich die Auto recht und links neben einem kaputtzufahren. Fred schüttelte den Kopf „Die wollen uns hier nicht. Wir sind doch böse schwarze Männer, die Ziegen im Keller Opfern und das nur, weil es höher bestraft wird, wenn wir das mit kleinen Kindern machen würden“. Beide sahen sich an und lachten.
„Es wäre wirklich lustig wenn es nicht so traurig wäre“ Die Stimme der Kastanienbraunen ließ ihr Lachen abrupt verstummen. Beide sahen zu ihr auf. Sie lächelte „Kann ich euch, obwohl ich vergeben bin, irgendetwas zu trinken bringen?“ Fred gab einen seltsamen grunzlaut von sich und Bernd grinste „Ein Alt Schuss“ sagte er und Fred gab mit einer seltsamen Handbewegung zu verstehen, dass er das gleiche wollte. Sie lachte, notierte etwas auf einem kleinen Zettel und verschwand in Richtung Theke.
„Sehr Gut Fred, vielleicht sollte ich dir nächstes mal ne Flüstertüte mitbringen, der Nachbar auf der anderen Straßenseite hat dich vielleicht nicht richtig verstanden“ feixte Bernd doch Fred schwieg, beobachtete die Kastanienbraune und Bernd war sich nicht mehr sicher, ob er es nicht vielleicht mehr bedauerte, dass er bei ihr keine Chance hatte und mit seinen Sprüchen nur von dieser Tatsache ablenken wollte. Sollte er ihn darauf ansprechen ? Bernd hatte den Gedanken noch nicht bis zu Ende abgewogen, als Freds offensichtlicher Schwarm schon wieder mit ihren Getränken zurück war. Sie legte zwei Bierdecken vor die Beiden, stellte die beiden Gläser mit der dunklen Flüssigkeit darauf und markierte beide Pappdeckel mit einem Strich. Wieder lächelte sie, streckte ihre Hand aus, die Fred sofort ergriff. Er schüttelte sie und die Kastanienbraune stellte sich als Tanja vor. Bernd tat es seinem Freund gleich, nachdem sich die beiden voneinander gelöst hatten. „Ich weiss wer ihr seit, na ja zumindest dem Namen nach“ lachte Tanja und setzte sich auf den letzten freien Stuhl neben Bernd. Fred schaute erstaunt. „Meine Kollegin hat mir viel von euch erzählt“ lachte sie während sich ihre Mittestreiterin in ihre Richtung bewegte. Sie musste das Gespräch wohl mitbekommen haben. Bernd schaute sie an, er kannte sie, wenn auch nur flüchtig. Die andere Frau war größer als Tanja, hatte blondes, mittellanges Haar. Das musste Verena sein, eine der vielen Ex Freundinnen einer seiner bekannten. Eigentlich war es die Ex Freundin, mit dem er es bis jetzt am längsten ausgehalten hatte. In letzter Zeit war bei ihm wohl öfters ein Tapetenwechsel angesagt und wie er es schaffte, das alle sein weiblichen Anhängsel dieses Spiel mitmachten, würde Bernd wohl für immer ein Rätsel bleiben. Auf jeden Fall würde er seinen Namen in Verenas und wohl auch in Tanjas bei sein nicht erwähnen.
„Sag mal“ Tanja blickte sich um, als wolle sie sichergehen, das jemand bestimmtes nicht anwesend war „gestern war so ein komischer Kerl hier, lange Haare, komischer Bart, bisschen kleiner. Der hat behauptete, das er dich kennt.“ sagte sie während Bernd sie fragend ansah. Zumindest versuchte er fragend aus der Wäsche zu schauen, denn ihm war bereits nach den ersten Worten, die über Tanjas Lippen kamen, klar, von wem sie sprach. Er räusperte sich, lachte dann kurz „Lass mich raten, der hat dir ein Ohr abgekaut?“. Tanja seufzte „Das ist noch schmeichelnd ausgedrückt. Wir hatten gestern nur eine interne Feier , nichts öffentliches. Hat den Kerl aber nicht gestört, hat sich irgendwie selbst eingeladen. Wenn der nicht permanent versucht hätte, mich anzugraben, wäre ich überzeugt gewesen, das der ein bisschen schwul ist. Hat einer sehr seltsame Art“ Bernd sah Fred an, Fred sah Bernd an und beide lachten. Fred hatte sich als erster wieder gefangen „Der ist nicht schwul, der tut nur so komisch schmeichelnd, wenn er was weibliches vor sich hat. Der glaubt, das klingt gut“
Tanja lachte „Wenn er meint, er ist abgezogen als ich ihm klargemacht habe, das ich schon vergeben bin.“ Dieses Mal war Bernd schneller „Dann war er’s bestimmt, lass mich raten, anschließend hat er es bei Verena probiert?“ Tanjas Kollegin schnaubte, nickte und steckte sich demonstrativ den Finger in den Hals. Alle vier schauten sich an und begannen wieder, laut zu lachen.

4 - Rätsel

Schmerzen, das war es, was die ersten Sonnenstrahlen verursachten, als sie begannen, auf Bernd´s Netzheut einzufallen. Hastig schnellte seine Hand vor sein Gesicht, bevor er begann, die Decke zur Seite zu streifen. Was war gestern geschehen ? Bernd erinnerte sich nur noch schemenhaft an die letzten Stunden und der Nachhauseweg war ihm völlig entfallen. Später würde er Fred anrufen und sich erzählen lassen, was passiert war. Abzüglich Freds reger Phantasie würden sicherlich drei viertel der Wahrheit entsprechen. Aber noch saß er auf seinem Bett, hatte die Hand immer noch vor den Augen und tastete irgendwie nach einem Päckchen Schmerzmittel, von denen er nur noch wusste, das er sie irgendwann einmal neben seinem Bett deponiert hatte. Minuten, die wir Stunden wirkten, vergingen. Als Bernd schließlich fündig wurde, würgte er die Pillen mit etwas Wasser herunter und ließ sich zurück aufs Bett fallen.
„Wenn du nicht bald kommst, kannst du sehen wo du was zu essen bekommst“ Die Stimme seiner Mutter drang durch sein Gehirn wie ein Messerstich. Doch das Mittel wirkte, die Schmerzen waren zu einem dumpfen pochen abgeklungen und so beschloss Bernd, aufzustehen. Kurz nach halb eins erschien er am elterlichen Mittagstisch, fand irgendeine Suppe vor, war jedoch noch zu erschöpft, um sich darüber zu beschweren. „Da ist Post für dich gekommen“ sagte sein Vater während er mit seinem Löffel auf eine große Kiste zeigte, die neben der Wohnzimmertür stand „du hast zuviel Geld, wenn du laufend irgend einen Unsinn bestellst“ fügte er mit einem Kopfschütteln hinzu, sah ihn kurz an und aß nach kurzer Zeit weiter.
Bernd dachte nach. Seit fast vier Wochen hatte nichts mehr bestellt und die letzen Dinge waren schon lange angekommen. Ob er seinem Vater sagen sollte, dass er nichts bestellt hatte? Er verfolgte diesen Gedanken einen Moment, verwarf ihn dann aber doch. Ihm würde er das so und so nicht glauben und seine Überzeugung kaum ändern, er würde nur Geld zum Fenster hinauswerfen. So sagte er nichts, aß zu Ende und begab sich mitsamt der Kiste, die für ihre Größe erstaunlich leicht war, zurück auf sein Zimmer.
Die Kiste machte einen schäbigen Eindruck. Per Post konnte sie nicht gekommen sein, zumindest waren nirgendwo Briefmarken, ein Absender oder überhaupt irgendein Hinweis zu entdecken, woher sie stammen könnte. Vielleicht war sie gefährlich? Bernd verwarf den Gedanken bald wieder, wer sollte ihm etwas antun wollen und dann auf so eine billige Arte und weise. Er beschloss, das Geheimnis zu lüften. Mit einem Teppichmesser rückte er der Pappschachtel zu leibe, trennte den Deckel ab und fand ein Menge Papierschnipsel darin vor. Bernd war sich sicher, dass hier irgendjemand seinen Aktenvernichter geleert hatte. Vielleicht enthielten die Fragmente ja eine geheime Botschaft und der unbekannte Absender wollte Bernd eine Lektion in Sachen Puzzle und Geduld erteilen. Insgeheim hoffte er, das dieser Wust wirklich nur das war, wonach er aus sah: Verpackung. Und tatsächlich hatte das Glück ihn nicht verlassen, denn nach längerem suchen stieß Bernd auf etwas festes, tastet sich heran und förderte schließlich ein Buch zu Tage.
„Der Dreck wird bis nachher aufgeräumt, sonst werfe ich selbst alles weg!“ Die Stimme seiner Mutter, die nur kurz durch den Türschlitz lugte, schreckte Bernd auf. Er drehte den Kopf nach ihr um, doch sie war bereits verschwunden. Ein leises „Ja Ja“ drang über seine Lippen während er begann, den Papierabfall zurück in die Pappkiste zu räumen. Das Buch hatte er vorher auf seinen Schreibtisch gelegt und begann, nachdem er fertig mit Aufräumen war, es näher zu inspizieren. Alt sah es aus, Eingebunden mit schwerem Leder auf dessen Vorderseite „Die Neun“ eingeprägt war. Bernd dachte nach. Was für ein seltsamer Name, einfach nur „die Neun“. Welche Neun? Vorsichtig schlug er das Buch auf, griff sich an die Stirn. Für einen Moment schien die Schrift nur verschwommen, doch als Bernd die Augen wieder geöffnet hatte, waren die Buchstaben so scharf, als wären sie erst gestern gedruckt worden. Mit seinem Daumen blätterte er durch die Seiten, die jetzt alle fast neu aussahen. „Dreihundert“ dachte Bernd, als die letzte Seite erreicht war.
Es klopfte. Dann drei Sekunden Ruhe und schließlich wurde die Tür aufgestoßen. Wieder kam seine Mutter herein, hatte eine Tasse Kaffee in der Hand, die sie neben das Buch stellte. Neugierig beäugte sie den Tisch, schwenkte ihre Blick über die verschiedenen Gegenstände, die dort abgestellt waren. Bernd wusste genau, was sie wollte. Wie ein Spionagesatellit war sie auf der Suche nach irgend einer unnötigen Sache, die gestern noch nicht da war und die als Anlass für einen weitere Vortrag zum Thema „Was hast du hier schon wieder gekauft“ dienen konnte. Sie schien das als neues Hobby entdeckt zu haben. Bis zum Ende hatte Bernd gehofft, dann hatte sie das Buch doch entdeckt. Sie entriss es ihm, schlug es auf, blätterte ein wenige und legte es schließlich zurück. „Für so was hast du Geld“ stellte sie Kopfschüttelnd fest, bevor sie den Raum verließ. Die Tür blieb selbstverständlich offen.
Wütend gab Bernd der Tür einen Tritt, die daraufhin mit lautem Krachen ins Schloss fiel. Einige Räume weiter hörte er seinen Vater irgendwelche Flüche von sich geben, die ihn aber nicht weiter interessierten. Wieder in sein Buch vertieft begann Bernd, das erste Kapitel zu lesen. Dort beschrieb ein einfacher Bauer sein Leben auf seinem Hof, angefangen vom Früjahr über den Sommer bis zum Winter. Besonders aufregend fand Bernd das nicht, interessant zwar aber eben doch nur wie man als Landwirt so lebte. Doch dann änderte sich die Handlung schlagartig, Nun war von Krieg, Zerstörung und Tod die Rede, wieder in einer Intensität geschrieben, die keinen Zweifel daran lies, das all dies irgendwann oder irgendwo stattgefunden haben musste. Natürlich war dies alles Unsinn, denn hier war von Magie die Rede, von Elementarmagiern, die grausame Taten verübten und von einer Barriere, die diese Welt umgab. An den Haaren herbeigezogen, aber faszinierend. Bernd schlug das Buch zu, dachte kurz nach und beschloss, festzustellen, wer dieses Buch geschrieben hatte.
Sein erster Anlaufpunkt war ein großer Buchhändler, der ein reichhaltiges Angebot verschiedenster Bücher im Internet anbot. Doch den Titeln „Die Neun“ war selbst dort nicht zu finden. Bernd seufzte, doch noch wollte er nicht aufgeben. Er suchte bei fünf weiteren Buchhändlern, die alle Titel hatten, die ähnlich klangen aber vom Inhalt her in keinster Weise passten. Niemand schien auch nur etwas ähnliches jemals gesehen zu haben und falls doch, konnte es kein Verkaufsschlager gewesen sein. Bernd lies den Kopf nach hinter sinken, starrte die Decke an und versuchte nachzudenken. Seine Gedanken begannen abzuschweifen, er dachte jetzt nicht mehr an seine Literarischen Rätsel sondern lies sich treiben, dachte an Tanja, an Nicole und an all den Chaos, den sie in seinem und Fred´s leben verursachten. Waren es nicht seltsame Dinge, die in letzter Zeit passierten? Jahrlang hatte er keine Probleme damit gehabt, eine Single Leben zu führen, doch seit er dieses beide Frauen kennen gelernt hatte fiel es ihm Tag für Tag schwerer. Er hatte es gegenüber Fred nie erwähnt, doch er hatte Nicole wirklich geliebt, genauso wie Fred. Er hatte es sich ohnehin nie eingestehen wollen, doch gerade jetzt, wo er darüber nachdachte, wurde ihm klar, dass er sich belogen hatte. Und er belog sich wieder, jetzt im Moment. Die Welt war nicht mehr so wie früher, sie war seit dem Tage, als dieser seltsame alte Mann seinen Weg gekreuzt hatte, nicht mehr so gewesen wie früher. Diese Kugel, dieses seltsame Dinge, was war es? Bernd stand auf, ging zu seinem Nachttisch und holte sie hervor. Dann setzte er sich wieder, schloss das Buch und legte die Kugel auf den Einband. Nichts geschah. Eine gewisse Erleichterung durchfuhr ihn, auch wenn er nicht genau wusste , weshalb. Doch gerade, als er beides weg legen wollte, bemerkt er das leichte glühen, was von der jahrelang unscheinbar wirkenden Kugel ausging. Der leichte Blauschimmer tauchte die nähere Umgebung in ein seltsames Licht, doch als Bernd die Oberfläche berührte, bemerkte er keinerlei Wärmeentwicklung. Es war ein absolut kaltes Licht was von der vorher noch matten Oberfläche abgestrahlt wurde, mit nichts zu vergleichen was Bernd jemals zuvor gesehen hatte. Vorsichtig hob er das Buch an, die Kugel rollte herunter und fiel mit einem leisen „tock“ auf den Boden. Das Glühen war erloschen.
Tausend Gedanken schossen durch Bernds Kopf, die sich ineinander windeten aber doch keinen Sinn ergaben. Was ging hier vor? Bernd griff nach der Kugel, bekam sie mit einger mühe zu fassen und legte sie wieder auf das Buch. Insgeheim hatte er auf einen Irrtum gehofft, doch dieser gefallen wollte ihm heute nicht zu teil werden. Noch bevor die Kugel die Oberfläche des Ledereinbandes erreicht hatte begann sie erneut auf eine unheimlich kalte Art ein Intensiv blaues Licht abzustrahlen. Mehrere male wiederholte Bernd den Versuch, doch das Ergebnis war stets dasselbe. Es war also keine Einbildung, villeicht sollte er sich den Rest des Buches zu Gemüte ziehen? Sicher sollter er das, was hier geschah wenn selbst bei einer sehr vorsichtigen Betrachtung zumindest „seltsam“. Bernd legte die Kugel zurück an ihren Platz, setzte sich wieder und begann, das Buch vom ersten Kapitel an zu lesen.
4.11.06 20:07


Werbung





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung