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Lesenwert (finde ich)

Killerspiele

In der Schule wurde uns gelehrt, wir leben in einer Demokratie mit Meinungs und Pressefreiheit. Doch habt ihr einmal darüber nachgedacht, das alles was wir wissen oder glauben zu wissen, aus den Medien stammt? Welche Macht hätte jemand, der genug Einfluss besitzt, die Informationen zu kontrollieren und zu manipulieren, die uns jeden Tag über den Äther ins Haus geschickt werden? Wer sagt uns, dass das, was wir für die Wahrheit halten, dieser auch tatsächlich entspricht. Wir sind es gewohnt, all das, was andere uns glauben machen wollen, kritiklos zu glauben, solange es einen offiziellen Eindruck macht. Wissen wir, wer welche Informationen zu welchem Zweck verbreitet? Die einfache Antwort ist: Nein.
Es mag eine Tragödie gewesen sein, sowohl Emsdetten als auch Erfurt. Killerspiele sind daran schuld, es war zu hören in alle Nachrichten und eine bekannte Boulevardzeitung schmückte sich mit riesengroßen Schlagzeilen. Einfache Kost für ein offensichtlich einfaches Volk. Das der Amokläufer einen Abschiedsbrief hinterlassen hat, war das letzte was an Wahrheit noch von offizieller Seite zu hären war. Ein einfache Sache, die einen verrückten Beschrieb, der nur hass empfand, geschürt durch Killerspiele. Die einfache Gleichung : Keine Killerspiele, Keine Amokläufer. Doch das Internet ist glücklich weise nicht so einfach zu manipulieren, wie es manche Politiker gerne hätten. Aus irgendeiner undichten Stelle drang der Originalbrief an die Öffentlichkeit und wer diesen einmal gelesen hat, glaubt nie mehr in seinem Leben ein Wort welches aus den Medien zu einem dringt. Dieser Brief beschrieb genau die Mängel in unserer Gesellschaft, die der Staat nicht hören will. Eine immer schneller voranschreitende Spaltung der Gesellschaft in Ausnutzende und Ausgenutzte mit einer Regierung, die offensichtlich ein Interesse daran hat, einen Schein zu wahren, der schon lange nicht mehr existiert. Aber wer regiert diesen Staat? Sind es die Leute, die wir wählen oder wählen wir Marionetten, die von ganz anderer Stelle gesteuert werden?
Doch die breite Masse „Bildet“ sich im wahrsten Sinne des Wortes Ihre Meinung, oder sollte man nicht eher sagen, bekommt ihre Meinung gebildet. Ist euch schon einmal aufgefallen, wie oft sich selbst die Leute, die in derselben Partei Regierungsverantwortung übernommen haben, wiedersprechen? Ihr glaubt das nicht? Beispiele gibt es genug.. Da kommt Minister Karl herbei, und erzählt uns folgendes:
„Der Arbeitnehmer von heute muss mobil sein und eine hohe Reisebereitschaft an den Tag legen. Ein täglicher Weg von bis zu zwei Stunden ist zumutbar“. Fein, wenn man selbst mit Hubschrauber und Privatflugzeug ausgestattet ist. Arbeitnehmer A wohnt als in Niedertannenzapfenhausen. Bis zu seiner Arbeit in Großtannenzapfenhausen sind es 50 Kilometer, er hat weder ein Flugzeug noch einen Hubschrauber. Der nächste Bahnhof ist 25 Kilometer weit weg, ein Bus fährt 2 x am Tag, vielleicht auch öfter, aber bestimmt nicht zu den Zeiten, wo man ihn braucht. Kurz gesagt, Herr A braucht sein Auto, um den Anforderungen und Wünschen des Ministers Karl zu entsprechen.
Das Geld was Herr A dort verdient reicht gerade einmal aus, die Kosten für die Fahrt zur Arbeit zu begleichen, den Rest bezieht er von der Agentur für Arbeit im Rahmen einer Aufstockung seines Gehalts. „Wir stehen im Wettbewerb“ hat man ihm gesagt, und das Argument, von seinem Entgelt nicht leben zu können wurde mit den Worten „An Ihrem Job haben noch 20 andere Hartz 4 Empfänger Interesse, wenn es ihnen nicht reicht, suchen sie sich doch was anderes“ abgeschmettert. Von der letzten Tarifrunde hat Herr A gelesen, gebracht hat es ihm allerdings wenig. Seinem Arbeitgeber geht der Tarifvertrag am Arsch vorbei und wer es wagen sollte, an das Wort Betriebsrat zu denken, weiß hoffentlich die Adresse der Arbeitsagentur auswendig. Dort kann er sich nämlich dann um einen neune Job bemühen.
Wenn der Tag vorbei ist, fährt Herr A nach Hause, winkt dabei noch seinem Chef zu, der gerade in seinem neuen Luxusauto mit Herrn Minister Karl zum Golfspielen fährt.
Zu Hause angekommen ist Minister Schorsch im Fernsehen zu sehen. Dort referiert er gerade darüber, mit welchen neuen Steuern man den Bürger dazu bewegen könne, das Auto stehen zu lassen und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Oder zumindest sich ein neues Auto zu kaufen, das zwar teuer aber Umweltverträglicher sei.
Herr A denkt kurz an Minister Karl, lacht leise und beschließt sich doch eher um seinen Sohn zu kümmern. Der sitzt in seinem Zimmer und spielt ein gefährliches Killerspiel. In der Schule wurde er gemobbt, von seinen Mitschülern ausgegrenzt und seine Lehrer halten ihn für verhaltensgestört. Im Grunde hat er nur ein Problem. Das neuste Handy, die neusten Klamotten sind leider von dem Einkommen seines Vaters nicht finanzierbar (Man steht im Wettbewerb). Er ist halt keiner von Ihnen, ein asozialer, dem man am besten keine Beachtung schenkt, und den man treten kann, während er noch am Boden liegt. Herr A hat Angst, Angst davor, dass er sich rächen wird. Irgendwann einmal, wenn er die Demütigung nicht mehr Ertragen kann. Vielleicht sind „Killerspiele“ bis dahin bereits verboten, dann wenn er sich eine Waffe besorgt und einmal im Leben 15 Minuten Ruhm genießt. Herr A fragt sich, wem wird man die Schuld geben? Wenn nicht den Killerspielen, wem dann? Sie werden etwas finden, es wird sicherlich nichts mit der Ursache zu tun haben, aber sie werden etwas finden, und wenn es Herr A selber ist, der nicht bemerkt hat, wie sehr sich sein Sohn zurückgezogen hat und der nicht verhindert hat, das er gefährliche Killerspiele gespielt hat.
Und eines Tages wird aus Angst Wahrheit. Die Tageszeitung hat eine Schlagzeile, die Politik neue Munition, um nach dem Verbot von Killerspielen zu rufen. Die „gebildete“ Masse demonstriert gegen irgendetwas und die Polizei war vor kurzem da, um den Computer seines Sohnes zu beschlagnahmen. Sein Sohn hatte einen Abschiedsbrief hinterlassen, auf seinem Schreibtisch und im Internet. Alle Zeitungen haben ihn „leicht gekürzt“ abgedruckt, doch Herr A konnte es nicht verstehen. Er las die Zeilen, doch es waren die Worte eines offensichtlich geisteskranken. Genau wie der letzte dieser Briefe, damals, vor einigen Jahren, zu der Zeit, wo er noch an das geglaubt hatte, was in der Zeitung stand. Nicht das was sein Sohn geschrieben hatte, nicht den, der Herr A in der Hand hielt.. Sondern nur noch Reste, die keinen Sinn mehr ergaben, oder eher, seinen Sohn zu dem machte, was die Öffentlichkeit hören sollte: Einen Irren, der durch seine Killerspiele noch Irrer geworden war.
Herr A las die letzten Zeilen, die nicht in der Zeitung standen. Es war ein Wunsch, der Wunsch seines Sohnes. Es sollte der letzte Wunsch sein, den er äußerte.
… Ich weis, ich werde sterben. Ihr habt mich ignoriert, mich gedemütigt und geschlagen. Ich war nie einer von euch, ihr wart immer besser als ich. Doch jetzt werdet ihr genauso tot sein wie ich. Euer letztes Hemd wird keine Taschen haben. Wenn ihr etwas Gutes tun wollte, denn beerdigt mich in Ehre, die Ehre die ich im Leben nie erhalten habe. Und wenn ihr eine Grabinschrift sucht, dann wünsche ich mir folgendes:

Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.
12.7.07 16:15


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